Ministerialrat Dr. Julius Kallus

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 25.5.1938 - 16.06.1938,
KZ Dachau 16.06.1938 - 22.09.1938,
Entlassung 1938,
Widerstandskämpfer (unentdeckt)
KZ-Nummer:
Ehrungen:
Ehrenring des Österreichischen Cartellverbandes (ÖCV)
Mitgliedschaften
MKV:
ÖCV:
Lebenslauf
Julius Kallus kommt in Korneuburg als ehelicher Sohn des Schiffsmanipulanten bei der Donaudampfschiffahrtsgesellschaft (DDSG), Julius Kallus und seiner Gattin Marie, geborene Fetty, zur Welt. Nach der Volksschule in Korneuburg besucht er von 1900 bis 1906 die Lehrerbildungsanstalt in St. Pölten und ist zunächst als Volksschullehrer in Floridsdorf tätig. 1907 tritt er der Studentenverbindung Danubia bei. Auch an der Gründung der Mittelschulverbindung Markomannia (heute Marko-Danubia) in Korneuburg im Jahre 1908 beteiligt sich Julius Kallus. Da die Matura an der Lehrerbildungsanstalt damals noch nicht als vollwertig für das Universitätsstudium anerkannt wird, holt er am Stiftsgymnasium in Klosterneuburg die Gymnasialmatura 1912 nach.
1916 promoviert er zum Doktor der Philosophie, kann aber die Lehramtsprüfung wegen des Kriegsdienstes erst 1918 ablegen. Julius Kallus wird als Professor an die Lehrerbildungsanstalt in Linz und ab 1923 in das Bundesministerium für Unterricht in die Reformabteilung berufen. 1927 ist er maßgeblich an der Gründung der Mittelschulverbindung Kreuzenstein beteiligt. Er heiratet Leopoldine Fleischer-Haider und wird in weiterer Folge Vater dreier Kinder.
In den folgenden Jahren ist Julius Kallus maßgeblich an der Umgestaltung des Schulwesens beteiligt und tritt durch zahlreiche Fachveröffentlichungen hervor. Während seiner Tätigkeit im Ministerium verfasst er auch das Lehrbuch der Geschichte 'Lehrbuch der Geschichte für Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten', in welchem er bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland seine Meinung zur NS-Ideologie enthüllt.
Julius Kallus lehnt den aufkommenden Nationalsozialismus wegen dessen Menschenverachtung, Atheismus und Alldeutschtum ab. Er erkennt früh, dass diese Ideologie auf Krieg und Diktatur ausgerichtet ist.
[…] ein schwärmerisches Zurückgreifen auf das altgermanische Heidentum […] lehnt, mehr oder minder offen, das Christentum als Ausfluss artfremden semitischen Geistes ab; […] der undeutsche Begriff ‚Mythos‘ […] soll dem glaubenslos gewordenen Einzelmenschen und der Gemeinschaft ein Ersatz sein für das, was die Religion als letztes Ziel und als letzte Bestimmung setzt.“ Über das Verhältnis des Nationalsozialismus zu Österreich führte er aus: „[…] Ohne Blick für die österreichische Sendung im Donauraum, ohne Empfindung für die Werte des Unterschiedes zwischen nationalem und übernationalem Reichsgedanken versuchte er, die gewaltsame Angliederung Österreichs durch eine Revolution von innen heraus zu erzwingen.
Am 12. März 1938 erlebt der katholisch-österreichische Patriot, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Den Nationalsozialisten sind seine Grundgedanken, nachzulesen in seinem Lehrbuch für Geschichte, nicht genehm, und er wird am 25. Mai 1938 an seinem Arbeitsplatz verhaftet. Über das Polizeigefängnis in der Elisabethpromenade kommt er am 16. Juni 1938 in das KZ Dachau und wird dort drei Monate festgehalten. Nach der Enthaftung am 20. September 1938 wird Julius Kallus durch Zwangspensionierung entlassen und muss sich laufend bei der Gestapo melden. Da ihm die Ausübung seines Berufes verwehrt ist, stellt er sich in den Dienst einer von ihm mitbegründeten Siedlergemeinschaft in Floridsdorf. Er engagiert sich in der Widerstandsgruppe 'Geheimgruppe Dr. Lerch' um Gottfried Lerch. Seine Mitarbeit im Widerstand bleibt unentdeckt.
In Wien erlebt Julius Kallus die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Als Ministerialbeamter wird er rehabilitiert, tritt aber 1946 wegen Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand. Danach ist er unter anderem freier Mitarbeiter der Wochen-Zeitschrift 'Die Furche'. Er wird Ehrenmitglied weiterer Mittelschulverbindungen.
Julius Kallus verstirbt mit 73 Jahren und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Döbling.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Fritz, Herbert/Krause, Peter (2013): Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. (ÖVfStg, 2013) S. 357/358.
Julius Kallus, Hermann Käfer, Wilhelm Katzenbeißer. (1936): Lehrbuch der Geschichte für Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalten (Wien)
Matricula Online
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Julius_Kallus
