Hofrat Sylvester Leer

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 11.03.1938 - 10.09.1939,
KZ Buchenwald 10.09.1939 - 23.10.1939
KZ-Nummer:
Ehrungen:
Kärntner Kreuz für Verdienste
Mitgliedschaften
MKV:
ÖCV:
Sonstige Mitgliedschaften:
Lebenslauf
Sylvester Leer kommt in Edelbach in Niederösterreich als ehelicher Sohn des Kleinbauern Ernest Leer und seiner Gattin Maria, geborene Schneider, zur Welt. [Anm: Edelbach wird nach der Besetzung Österreichs von den Nationalsozialisten ausgesiedelt um Raum für den Truppenübungsplatz Allensteig zu gewinnen.] Nach seiner Pflichtschulzeit macht Sylvester Leer zunächst eine Schlosserlehre. In Klagenfurt leistet er seinen Wehrdienst beim beim k. u. k. Infanterieregiment Nr. 7 'Feldmarschall Ludwig Andreas Graf von Khevenhüller', dem Klagenfurter Hausregiment ab. Dort kommt er in Kontakt mit dem Verbandskatholizismus und findet 1901 eine Anstellung beim Katholischen Preßverein St. Josef (Verlag Carinthia) und wird dann 1903–1913 Filialleiter der Druckerei und Buchhandlung Carinthia in Wolfsberg.
Sylvester Leer wird in den Ersten Weltkrieg eingezogen, rüstet als Unteroffizier ab und beteiligt sich nach der Niederlage Österreich-Ungarns, der Zerschlagung der Doppelmonarchie und der Vertreibung des Hauses Habsburg an den Freiheitskämpfen gegen die Unterdrückung durch Jugoslawien. In einer Volksabstimmung für das Selbstbestimmungsrecht der Kärntner am 10. Oktober 1920 entscheiden sich 59,12 % für ein ungeteiltes Kärnten. Sylvester Leer wird 1920 für seinen Einsatz mit dem Kärntner Kreuz für Verdienste ausgezeichnet. Nun beginnt seine politische Laufbahn: Am 11. November 1918 wird er zunächst Mitglied der provisorischen Landesregierung in Kärnten und des Wehrausschusses, ab 5. Juli 1921 ist er dann Abgeordneter des Kärntner Landtags. Auf dem Wiedergründungskommers wird er Mitglied der Mittelschulverbindung Gral Klagenfurt und 1930 der Studentenverbindung Rudolfina.
Sylvester Leer ist in der demokratischen Ära der Ersten Republik der Spitzenrepräsentant der Christlichsozialen Partei (CSP) in der Kärntner Landesregierung. So ist er vom 22. Juli 1921 bis zum 21. Jänner 1931 Landeshauptmannstellvertreter und dann vom 22. Januar 1931 bis zum 2. November 1934 Landesrat. Am 17. Juni 1933 zünden Nationalsozialisten um 0:15 Uhr eine Bombe vor seinem Wohnhaus, bei dem es nur Sachschaden gibt. Als am 23. Februar 1934 Landeshauptmann Ferdinand Kernmaier vom Landbund abgesetzt wird, leitet Sylvester Leer bis 7. März 1934 provisorisch die Geschäfte der Landesregierung. Er ist ebenso Mitglied der Vaterländischen Front. Nach seinem Ausscheiden aus der Landesregierung wird er Leiter der Abteilung 9 der Kärntner Landesregierung mit der Funktionsbezeichnung Generalverwalter der Fürsorgeanstalten des Landes Kärnten und bekam den Titel Hofrat.
Zu seinen politischen Funktionen ist Sylvester Leer noch von 1927 bis 1934 Obmann der Allgemeinen landwirtschaftlichen Genossenschaftskasse und ab 1936 Obmann der Landeskrankenkasse für Kärnten. Er ist auch Landesobmann des Freiheitsbundes, der Wehrorganisation der christlichen Gewerkschaften.
Noch in der Nacht des Einmarsches der deutschen Wehrmacht und des damit verbundenen Untergangs des freien und unabhängigen Österreichs vom 11. auf den 12. März 1938 wird Sylvester Leer als Generalverwalter der Fürsorge des Landes Kärnten von der Gestapo verhaftet und am 10. September 1939 in das KZ Buchenwald deportiert. Nach der Entlassung am 23. Oktober 1939 findet er Arbeit als Buchhalter.
Nach der Befreiung Österreichs und der Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945 wird Sylvester Leer rehabilitiert und von der britischen Besatzungsmacht in die erste Provisorische Kärntner Landesregierung berufen, der er vom 8. Mai bis 6. Juni 1945 als Sozialreferent angehört. Gleichzeitig wirkt er bei der Gründung der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) in Kärnten mit. In den ersten Wochen nach dem Krieg gibt es Bestrebungen, die Christlichsozialen und den Landbund als jeweils selbständige Partei wieder zu errichten, wobei Sylvester Leer bei den Christlichsozialen mitwirkt. Erst Anfang Juli 1945 wird dann die Österreichische Volkspartei (ÖVP) gegründet, danach zieht sich Sylvester Leer aus der Politik zurück.
Sylvester Leer verstirbt mit 77 Jahren in Klagenfurt und wird auf dem Friedhof Klagenfurt-Annabichl beigesetzt.
Quellen
Fritz, Herbert/Krause, Peter (2013): Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholisch Korporierte in Widerstand und Verfolgung. (ÖVfStg, 2013) S. 408/409.
Zeitung "Die Rote Fahne" vom 18. Juni 1933. Seite 2
Biolex des ÖCV
Arolsen Archives
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