Ministerialrat Dr. Viktor Alois Kolassa

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 17.03.1938 - 21.03.1938,
Entlassung 31.07.1938,
Haft 02.11.1938 - 30.03.1939,
Haft 23.08.1944 - 06.10.1944
Mitgliedschaften
CV:
ÖCV:
Sonstige Mitgliedschaften:
Lebenslauf
Viktor Alois Kolassa kommt in Gleiwitz in Preußen [heute: Gliwice in Polen] als ehelicher Sohn des Apothekers Josef Kolassa und seiner Gattin Amalia, geborene Wachtel, zur Welt. Die katholische Familie betreibt eine Apotheke in Troppau in Österreichisch-Schlesien [heute: Opava in Tschechien], Viktor Kolassa zieht aber später nach Wien, wo er 1898 am Landstraßer Gymnasium maturiert. Im Wintersemester 1900/01 inskribiert er Jus an der Universität Wien und tritt noch im gleichen Jahr der Studentenverbindung Nordgau Wien bei.
Nach seiner Promotion zum Doktor der Rechte tritt er am 22. September 1908 in den Dienst der niederösterreichischen Stadthalterei und ist an den Bezirkshauptmannschaften Gänserndorf und Neunkirchen eingesetzt. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges wird er nach Wien in das k.k. Handels-Ministerium versetzt. Zwischen 1914 und 1917 nimmt er am Ersten Weltkrieg teil.
In Wien erlebt Viktor Kolassa die Niederlage Österreich-Ungarns, die Zerschlagung der Doppelmonarchie und die Vertreibung des Hauses Habsburg. 1921 ist er einer der Gründungsmitglieder der Studentenverbindung Alpenland. Er engagiert sich in der Gewerkschaft Christlicher Angestellter im Öffentlichen Dienst und der Christlichsozialen Partei (CSP). 1926 wird er zum Obmann der Akademikersektion der Gewerkschaft Christlicher Angestellter im öffentlichen Dienst bestellt.
1927 wird Viktor Kolassa in den Wiener Gemeinderat bzw. Landtag gewählt und gehört diesem vom 20. Mai 1927 bis zum 24. Mai 1932 an. Am 23. Juli 1929 heiratet er Anna Maria Österreicher, die Ehe bleibt kinderlos. 1931 wird er Mitglied der Studentenverbindung Nordgau (Prag) zu Koblenz und 1933 der Studentenverbindung Pannonia.
Zwischen 1929 und 1934 ist er der letzte Generalsekretär der Christlichsozialen Partei (CSP). Am 5. Dezember 1930 wird er zum Zweiten Präsidenten des Wiener Landtages gewählt. Am 13. Februar 1932 rückt er als Abgeordneter in den Nationalrat nach, dem er bis zum 2. Mai 1934 angehört. Er ist ebenfalls Mitglied der Vaterländischen Front. Nach dem 2. Mai 1934 kehrt Viktor Kolassa wieder in das Handelsministerium zurück und wird 1935 Vorsitzender der neugegründeten Beamtenkammer.
In Wort und Tat tritt Viktor Kolassa entschieden gegen den Nationalsozialismus auf und unterstützt das Vorgehen gegen illegale Nationalsozialisten im öffentlichen Dienst.
Dr. Viktor Kolassa […] stellt den Prototyp des Gegners des Nationalsozialismus dar.
Er stand der Bewegung durchaus ablehnend gegenüber und war des Hasses jedes Nationalsozialisten aus innerer Überzeugung heraus; ein Systemmann von reinsten Wasser und dem System Dollfuss-Schuschnigg absolut ergeben.
K. gehörte dem Wiener Landtag, bezw. dem Nationalrat als Mitglied an und war Präsident des schwarzen Beamtenbundes. […]
Der Genannte trat jederzeit für ein "unabhängiges, freies und christliches Österreich" ein, verfasste in diesem Sinne mehrere Artikel und Aufrufe und hat zweifellos als Präsident des schwarzen Beamtenbundes bei jeder Massnahme gegen nationalsozialistische Beamten seine Zustimmung gegeben und dadurch bei der Verfolgung dieser Beamten aktiven Anteil gehabt. Dadurch hat er das Recht verwirkt, vom nationalsozialistischen Staat irgendein Entgegenkommen zu erwarten.
Kolassa ist unwiderruflich abzulehnen. und auch der mindesten Berücksichtigung unwert. Es hiesse den Gegnern des Nationalsozialismus einen Dienst zu erweisen und das Ansehen der NSDAP herabsetzen, wenn man Kolassa auch nur im geringsten Masse fördern würde.
Am 12. März 1938 erlebt Viktor Kolassa, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Am 17. März 1938 wird er von den nationalsozialistischen Besetzer für vier Tage eingesperrt. Mit 31. Juli 1938 wird er durch Zwangspensionierung entlassen. Wie die Kreisleitung der NSDAP feststellt las er vor der Okkupation Österreichs 'nur gut-jüdische vaterländische Blätter' und bleibt danach ein 'Gegner der Bewegung in jeder Hinsicht' und 'hält mit Juden Verbindung'.
Vom 2. November 1938 bis 30. März 1939 wird er in Untersuchungshaft genommen. Nach seiner Haftentlassung lebt er mit einer Kleinstpension weiter in Wien. Nach dem missglückten Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wird er im Zuge einer anschließenden Verhaftungsaktion neuerlich vom 23. August 1944 bis 6. Oktober 1944 inhaftiert.
In Wien erlebt Viktor Kolassa die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er wird sofort wieder in den Dienst gestellt, arbeitet im Bundesministerium für Handel und Wiederaufbau und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Darüber hinaus wird er Mitglied der Studentenverbindung Rhaeto-Danubia.
Altersbedingt wird Viktor Kolassa am 1. Mai 1947 in den Ruhestand versetzt. Er verstirbt mit 82 Jahren in Wien und findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Döbling.
Orte
Wohnort:
Quellen
- Fritz, Herbert/Krause, Peter (2013): Farbe tragen, Farbe bekennen 1938–45. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. (ÖVfStG, 2013), S. 376.
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Österreichisches Staatsarchiv (ÖStA)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Archiv der Universität Wien
Biolex des ÖCV unter oecv.at/Mitglied/Detail/12603532
