Univ.-Prof. Dr. Hugo Alois Emmanuel Hantsch OSB

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 21.03.1938 - 25.09.1938,
KZ Buchenwald 25.09.1938 - 21.02.1939,
Tätigkeitsverbot 31.03.1939
KZ-Nummer:
Ehrungen:
Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse
Preis der Stadt Wien 1965 für Geisteswissenschaften
Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt in Gold
Mitgliedschaften
CV:
ÖCV:
Sonstige Mitgliedschaften:
Lebenslauf
Hugo Alois Emmanuel Hantsch kommt in Teplitz-Schönau in Böhmen [heute: Teplice in Tschechien] als ehelicher Sohn des Walzwerkangestellten Hugo Heirich Hantsch und seiner Gattin Maria Theresia, geborene Hühle, zur Welt. Er besucht zunächst das Gymnasium in Prag und dann in seiner Heimatstadt Teplitz-Schönau. Dort wird er 1910 Mitglied der soeben gegründeten Mittelschulverbindung Hercynia Teplitz.
1913 maturiert er mit Auszeichnung. Der religiösen Überzeugung des Elternhauses entsprechend wählt er den Priesterberuf. Er tritt 1913 als Novize in das Benediktinerstift Melk ein. Im WS 1913/14 beginnt er in Prag das Theologiestudium und wird 1913 Mitglied bei der Studentenverbindung Ferdinandea. Nach der Profess vollendet er sein Theologiestudium 1915–1918 in Innsbruck und tritt dort der Studentenverbindung Austria Innsbruck bei. Am 30. Juni 1918 erhält er in St. Pölten die Priesterweihe. Da der Orden wünscht, dass er den Lehrerberuf ergreift, studiert er weiter in Wien Geschichte, Geografie und Germanistik und promoviert 1921 zum Dr. phil. Kurze Zeit später (1922) legt er in den Studienfächern die Lehramtsprüfung ab.
Anschließend widmet er sich der historischen Forschung an den Universitäten Wien und Würzburg, die der Vorbereitung auf seine Habilitationsschrift dient. So ordnet er u.a. das Archiv der Grafen Schönborn in Würzburg und Wiesentheid und tritt mit umfangreichen Veröffentlichungen über den Kanzler Josefs 1., Graf Friedrich Karl Schönborn hervor.
Der gläubige Katholik Hugo Hantsch ist überzeugter Gegner des Nationalsozialismus und tritt daher 1934 der Vaterländischen Front bei, wo er sich als Kulturfunktionär engagiert. Ab 1935 ist er Professor für Geschichte an der Universität Graz. 1937 erscheint der erste Band der von Hugo Hantsch verfassten Geschichte Österreichs (2. Band 1950).
Am 12. März 1938 muss der gläubige Katholik und patriotische Österreicher erleben, wie mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, das freie und unabhängige Österreich untergeht. Mit der Besetzung Österreichs wird seine Ernennung zum Ordinarius wegen seiner durch die nationalsozialistischen Machthaber verfügten Amtsenthebung nicht mehr wirksam. Er wird am 21. März 1938 von der Gestapo in Wien verhaftet und bis zum 25. September 1938 im Landesgerichtsgefängnis Wien festgehalten. Es folgt seine Überstellung in das KZ Buchenwald, wo er am 21. Februar 1939 entlassen wird. Mit 31. März 1939 erfolgt seine rückwirkende fristlose Entlassung. Er wird mit Publikationsverbot belegt und zieht sich als Pfarrer nach Ravelsbach in Niederösterreich zurück, wo er bis zum Kriegsende bleibt.
In Ravelsbach erlebt Hugo Hantsch die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik um April bzw. Mai 1945. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Er wird rehabilitiert und lehrt zuerst an der Universität Graz. 1946 wechselt er an die Universität Wien, wo er als Professor und Ordinarius für Neuere Geschichte lehrt und ersetzt den entlassenen nationalistischen Heinrich Srbik.
Hantsch wird Vorsitzender der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs und gibt ab 1953 die Wiener historischen Studien und 1962 Gestalter der Geschicke Österreichs heraus. Die Internationale Stiftung Mozarteum wählt Hugo Hantsch 1955 zum Präsidenten. Von 1935 bis 1951 ist er Mitglied der Historischen Landeskommission für Steiermark. 1965 wird ihm der Preis der Stadt Wien für Geisteswissenschaften verliehen.
Seine zweibändige Geschichte Österreichs (Erstauflage Band I, 1937, Band II, 1950) erscheint in zahlreichen Auflagen und galt mehreren Generationen von Geschichtsstudenten – bis in die 1980er-Jahre – als Standardwerk, das schlicht als 'der Hantsch' bezeichnet wurde.
Hugo Hantsch verstirbt mit 77 Jahren in Wien.
Quellen
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 114.
Wikipedia unter de.wikipedia.org/wiki/Hugo_Hantsch
