Hofrat Mag. Siegmund Hirsch

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Siegmund Hirsch
Bild: ÖCV

Personalia

Geboren:

18. Jänner 1915, Wien

Gestorben:

18. Februar 1995, Wien

Beruf:

Finanzbeamter

Verfolgung:

Haft 16.11.1942 - 16.11.1943,
KZ Auschwitz 16.11.1943 - 22.01.1945,
KZ Buchenwald 22.01.1945 - 06.02.1945,
KZ Buchenwald Außenlager Rehmsdorf 06.02.1945 - April 1945,
KZ Theresienstadt April 1945 - 05.05.1945

KZ-Nummer:

117489, 175105

Ehrungen:

Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs

Mitgliedschaften

ÖCV:

K.Ö.H.V. Alpenland Wien

Lebenslauf

Siegmund Hirsch kommt in Wien als eheliches Kind in einem Entbindungsheim im 18. Wiener Gemeindebezirk zur Welt. Er kennt weder Vater noch Mutter, die Mutter ist jedoch Jüdin, weshalb er in die jüdische Geburtsmatrik eingetragen wird. Er wächst bei einer christlichen Bauernfamilie in Waidhofen a.d. Thaya in Niederösterreich auf. Nach der Volksschule geht er auf das Realgymnasium in Waidhofen. 1929, im 14. Lebensjahr, konvertiert er zum katholischen Glauben. Nach der Matura 1936 zieht er als Werkstudent nach Wien und beginnt sein Jus-Studium an der Universität Wien. Im gleichen Jahr tritt er der Studentenverbindung Alpenland bei.

Am 12. März 1938 erlebt er mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht, den Untergang des freien und unabhängigen Österreich. Mit der Besetzung Österreichs wird die deutsche Gesetzgebung übernommen und damit auch die ‘Nürnberger Rassengesetze’, nach denen Siegfried Hirsch als 'Mischling I. Grades' bzw. ‘Halbjude’ gilt.

Siegfried Hirsch muss sein Studium wegen seiner jüdischer Abstammung und somit fehlendem Ariernachweis abbrechen und kann sich mit Büroarbeiten bei Freunden durchschlagen. Er unterhält Kontakte zu Widerstandszirkeln im Waldviertel und unterstützt dort eingesetzte französische Zwangsarbeiter. Als er am 17. September 1941 in der Werkstätte des Tischlermeisters Eggenhofer in Hollenbach ist, spricht er diesem und dem anwesenden Zeugen Christian abfällig über das nationalsozialistische Regime.

Ich weiss, dass Horty beim Führer gewesen ist und was dabei gesprochen wurde, es muss jedoch unter uns bleiben: Horty will seine Truppen zurückziehen, weil er an keinen Blitzkrieg mehr glaubt. Ungarn will auch nicht mehr liefern, entweder kann es nicht mehr oder will sabotieren. Die Welt ist seit dem Jahre 1933 nicht das erste mal betrogen worden, sie wird noch öfter betrogen werden.

Siegfried Hirsch gegenüber dem Tischlermeister Eggenhofer und dem Zeugen Christian am 17.09.1941

Der Zeuge Christian denunziert Siegfried Hirsch bei der Gestapo. In einem Prozess vor dem Sondergericht in Wien wird er dann am 16. November 1942 „wegen gehässiger und hetzerischer Äußerungen gegen die Außen- und Innenpolitik des Führers“ nach dem „Heimtückegesetz“ zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Noch am Tag seiner Verurteilung tritt der die Haft an.

Nach Verbüßung der Gefängnisstrafe in Wien und München kommt er nicht frei, sondern wird am 16. November 1943 der Gestapo übergeben und bis Kriegsende in verschiedene Konzentrationslager deportiert. Zunächst kommt er in das KZ Auschwitz. Kurze Zeit später wird er dem Außenlager Jawischowitz [Jawiszowice] zum Einsatz in den Kohlengruben zugeteilt. Wegen des Vormarsches der sowjetischen Truppen wird er dann im Zuge der 'Evakuierung' des Lagers aus dem Kohlengrubenlager am 19. Jänner 1945 zunächst zu Fuß und anschließend in einem offenen Waggon ins KZ Buchenwald überstellt, wo er am 22. Jänner 1945 eintrifft. Hier wird er im Außenlager Rehmsdorf in den Brabag-Werken eingesetzt. Von dort kommt Siegmund Hirsch wegen des amerikanischen Vormarsches zunächst per Bahn bis zur Grenzstation und wird dann zu Fuß in Richtung 'Protektorat' getrieben. Nach einem Todesmarsch – zurückbleibende und kraftlose Häftlinge werden erschossen – gelangt er Mitte April über Komotau in das KZ Theresienstadt, wo er im Krankendienst eingesetzt wird. Das Konzentrationslager wird am 5. Mai 194 dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) übergeben und am 8. Mai 1945 von den Russen befreit.

Nach einer schweren Erkrankung kann er im Juli 1945 von Prag in seine Heimat zurückkehren und beendet hier seine unterbrochenen Studien. Er tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei.

1949 tritt Siegmund Hirsch in die Finanzverwaltung ein und übernimmt ab 1965 bis zu seiner Pensionierung die Leitung der Steuer- und Gebarungsstatistik innerhalb des Österreichischen Statistischen Zentralamtes.

Orte

Verfolgung:

KZ Auschwitz (Polen), KZ Buchenwald (Weimar, Deutschland), KZ Theresienstadt (Terezín, Tschechien)

Wohnort:

Quellen

Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)

Krause, Peter/Reinelt, Herbert/Schmitt, Helmut (2020): Farbe tragen, Farbe bekennen. Katholische Korporierte in Widerstand und Verfolgung. Teil 2. Kuhl, Manfred (ÖVfStG, Wien) S. 125/126.

Siegmund Hirsch

Finanzbeamter
Alp
* 18. Jänner 1915
Wien
† 18. Februar 1995
Wien
Haft, KZ Auschwitz, KZ Buchenwald, KZ Theresienstadt