Julius Kretschmer

Personalia
Geboren:
Gestorben:
Beruf:
Verfolgung:
Haft 19.10.1938 - 19.12.1943,
Entlassung 31.03.1939,
Haft 29.03.1945,
U-Boot 29.03.1945 - 13.04.1945
Mitgliedschaften
Lebenslauf
Julius Vinzenz Kretschmer, genannt 'Ussy', kommt in Wien als ehelicher Sohn des Beamten Julius Kretschmer und seiner Gatttin Magdalena, geborene Wehl, zur Welt. Nach der Volksschule besucht er das Gymnasium Albertgasse im 8. Wiener Gemeindebezirk, wo er 1926 maturiert. Noch im gleichen Jahr inskribiert er Germanistik und Romanistik an der Universität Wien. In dieser Zeit tritt er der Studentenverbindung Ottonen bei. Sein Absolutorium absolviert er am 9. Juli 1931. Der entschiedene Gegner des Nationalsozialismus und überzeigte Österreicher tritt 1933 der Vaterländischen Front bei. 1935/1936 legt er die Ergänzungs-Reifeprüfung für die Leherbildungsanstalt ab. Danach arbeitet er als Bibliothekar der Arbeiterbibliothek in Wien.
Julius Kretschmer ist am Abend des Einmarsches und der Besetzung Österreichs am 12. März 1938 bei der Vorstandssitzung der Ottonen im Hinterzimmer des Café Votiv anwesend, als diese beschließen, sich formal aufzulösen und in den Widerstand zu gehen. Er ist in der Organisation von Karl Burian als Landesleiter von Wien, mit Josef Wotypka als Stellvertreter vorgesehen. In der Folge engagiert er sich in der Organisation und versucht Strukturen aufzubauen und neue Mitglieder zu gewinnen. Am 11. Mai 1938 tritt er seinen Dienst als Volksschullehrer an der Schule Redtenbachergasse im 16. Wiener Gemeindebezirk.
Julius Kretschmer wird am 19. Oktober 1938 von der Gestapo in der Schulklasse verhaftet. Er wird wegen 'Vorbereitung zum Hochverrat' angeklagt und in der Hauptverhandlung des Volksgerichtshofes vom 7. Dezember 1943 bis 9. Dezember 1943 zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Er wird unter Anrechnung seiner Untersuchungshaft am 19. Dezember 1943 aus der Haft entlassen. Seine Entlassung aus dem Schuldienst war bereits am 31. März 1939 erfolgt.
Er entkommt dem Einrücken in eine Strafkompanie durch Vortäuschen eines Magenleidens und organisiert mit Hilfe von Angestellten der Buchdruckerei 'Isda' von Friedrich Schwab in der Felberstraße 58 im 15. Wiener Gemeindebezirk das Drucken von Flugblättern mit dem Inhalt 'Österreich erwache!'. Sie gehen jeden Tag eine Stude früher in ihre Druckerei und stellen dort bei einer Vertrauensstelle Hunderte solcher Flugzettel her, die Julius Kretschmer in der Dunkelheit verteilt. Beruflich arbeitet er in dieser Zeit zuerst in einer Glühlampenfabrik und im Anschluss bei der Firma Huber & Draht.
Julius Kretschmer wird am 29. März 1945 neuerlich verhaftet. Er wurde gewarnt, wird aber bei seiner Flucht in der Straßenbahn erwischt und Standgericht in Czartoryski-Schlössel, dem Sitz der SS, gebracht. Er soll standrechtlich hingerichtet werden. Durch einen plötzlichen Bombenangriff und die dadurch entstehende Verwirrung, schafft es Julius Kretschmer der Hinrichtung zu entgehen. Danach lebt er als U-Boot in Wien.
In Freiheit erlebt Julius Kretschmer die Befreiung Österreichs und die Wiedererrichtung der Republik im April bzw. Mai 1945. Er wird sofort rehabilitiert, tritt seinen Dienst als Volksschullehrer am 6. Juni 1945 in der Volksschule Mildeplatz an und tritt der neugegründeten Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und der ÖVP-Kameradschaft der politisch Verfolgten und Bekenner für Österreich bei. Aufgrund der Haftstrapazen geht er bis 31. Juni 1946 in Krankenstand. Nachdem er an er an der Volksschule Panikengasse im 16. Wiener Gemeindebezirk unterrichtet hat, tritt er 1951 seinen Dienst an der Sonderschule Zinckgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk an. Im gleichen Jahr heiratet er die Lehrerin Anna Maria Fantl. 1956 legt Julius Kretschmer die Zusatzletzprüfung für Sonderschulen ab.
1960 wird Julius Kretschmer dem Bundesministerium für Unterricht dienstzugeteilt und ein Jahr später, am 12. Dezember 1961 zum Direktor der Sonderschule Schüttauplatz 18, im 22. Wiener Gemeindebezirk bestellt. Von 1960 bis 1971 ist er Bundesobmann der Österreichischen Widerstandsbewegung.
Julius Kretschmer tritt am 1. Jänner 1969 in den Ruhestand und verstirbt 1997 im 90. Lebensjahr. Er findet seine letzte Ruhestätte am Friedhof in Wien-Ottakring.
Orte
Wohnort:
Quellen
Prosl, Christian (2008): Tödliche Romantik. Das legitimistische akademische Corps "Ottonen" (Wien)
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW)
Wiener Stadt- und Landesarchiv (WStLA)
Friedhöfe Wien - Verstorbenensuche
